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Neue Ausstellung in den Vitrinen der Lesesäle: Die Buchobjektsammlung der UB

Nachdem in den letzten 3 Jahren in den Vitrinen der Lesesäle der UB sehr unterschiedliche Präsentationen zum Zuge kamen - es sei erinnert an Ausstellungen wie "Das 'schöne' Buch : Beispiele moderner Buchgestaltung", "Ex Libris aus dem Bestand der UB Freiburg", "Émile : Profil einer Zeitschrift", "Jürgen Brodwolf : Auflösung einer Figur" und zuletzt "Illustrationen in deutschen und französischen Amerikareiseberichten des 16. und 17. Jahrhunderts" - soll für die nächsten Monate (nicht Jahre!) wieder an vorausgegangene Traditionen angeknüpft werden, indem in den Vitrinen Buchobjekte gezeigt werden. Ein Großteil der Buchobjekt-Sammlung der Freiburger Universitätsbibliothek geht zurück auf eine von Studierenden der Kunstgeschichte erarbeitete Ausstellung "buchobjekte", die 1980 im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek zu sehen war. Dieser Grundstock wurde im Laufe der Jahre um weitere Arbeiten ergänzt, darunter einige Dauerleihgaben des Regierungspräsidiums Südbaden. Die jetzige Ausstellung in den Vitrinen der Lesesäle I und II der Bibliothek präsentiert eine Auswahl aus diesen Sammlungsbeständen, darunter etliche bisher in diesem Rahmen noch nicht vorgestellte Objekte.

Als kleine Einführung kann der Ausstellung ein Text beigegeben werden aus dem in diesem Jahr endlich erschienenen Führer von Veronika Mertens zu den Kunstwerken der Universität Freiburg, der auch alle in der UB frei zugänglichen Kunstwerke (einschließlich der Buchobjekte) beschreibt:

"In einer Zeit, in der neben Radio und Fernsehen Mikrofiches, Disketten und Kassetten mehr und mehr die Medienlandschaft prägen und das Buch als Informationsspeicher zu ersetzen suchen, haben sich viele Künstler wieder auf das Buch besonnen, haben es auf verschiedene Weise neu gedeutet und verarbeitet. Nur in den seltensten Fälen dienen die so entstandenen Buchobjekte noch auf herkömmliche Art der Informationsvermittlung. Doch obwohl das Lesen von Buchstaben, Wörtern und Sätzen hier in der Regel kaum noch möglich ist, fordern sie den Betrachter auf, genau hinzuschauen, genau zu lesen, um die Sprache des Materials und der Formen zu verstehen, um ästhetisch vermittelte Botschaften zu empfangen. Diese Botschaften sind formuliert in Objekten, die Form und Funktion des Buches künstlerisch reflektieren oder in denen vorgefundene oder vom Künstler selbst geschaffene Bücher zu einer eigenen künstlerischen Aussage weiterverarbeitet sind.

Während die einen Buchobjekte sich dem Betrachter öffnen und ihm ihre wenngleich auch oft rätselhaft geheimnisvolle Schrift darbieten, so sind andere verschlossen, versiegelt, verschnürt, versteinert, konserviert in Wachs oder Beton. ... Immer war mit dem Niederschreiben der Wunsch verbunden, Flüchtiges zu bewahren. Dieses Thema schlägt beispielsweise Burkhart Beyerle mit seinem "Buch Stein" an. Während der Stein zum Träger einer geschriebenen Klage über die flüchtig hineilenden Jahre wird, hält er - wie ein Briefbeschwerer auf einer Ausgabe der Bibliotheca Teubneriana liegend - zugleich das Flüchtige fest, wird zum Bewahrer des Vergangenen gegen das unaufhörlich Nachfolgende, bindet die Gedanken. ... So [wird] die Zeitlichkeit ein immer wieder neu gestaltetes Thema in der Buchobjektkunst."

aus: Veronika Mertens: Nicht nur die Wissenschaft ... : ein Kunstführer durch die Universität Freiburg. - Freiburg i. Br. : Rombach, 1995. - S.103 - 104.

(kar)


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