Historische Kartenbestände des Oberrheins

    Thematische Zugänge

 

Der Beginn der Rheinbegradigung

 

>>> Dankadresse der Gemeinde Eggenstein an Johann Gottfried Tulla anläßlich der Eröffnung des dortigen Rheindurchstichs am 20. Januar 1818.

   
Reinschrift mit Unterschriften und einer eigenhändigen Notiz Tullas.*
 
GLA 76/7969
Der im blumigen Stil der Zeit und in etwas unbeholfener Sprache abgefaßte Text weist auf das langwierige und zähe Ringen Tullas um die Verwirklichung seiner umstrittenen Rektifikationspläne hin und bringt die Hoffnungen der bisher von den Rheinhochwassern in Mitleidenschaft gezogenen Bevölkerung auf Verbesserung ihrer Lage zum Ausdruck.
Mit dem Eggensteiner Durchschnitt begann Tullas Begradigung des Rheins. Hier und in der Nachbarschaft waren durch die Hochwässer der Jahre 1816 und 1817 die Verhältnisse unerträglich geworden.

>>> Mit der 1822 herausgegebenen Hydrographischen Charte vom Lauf des Rheins von Neuburg bis Sondernheim, die im Jahr 1817 angefangene Rectification desselben enthaltend wird dieser erste Rheinbauabschnitt dokumentiert.

GLA H Rheinstrom/72

* Transkription:

Bekantmachung
S[einer] Hochedelgebohren Herrn Ingenieur Obrist
Lieutnant der Freude des Rheindurchschnitts
bey Ekenstein, d[en] 20.n Jan[ua]r 1818 nachmittags
um 3 ½ Uhr und zugleich reiner Herzens-
Dank vom Gericht und Rath samt sämmtlicher
Innwohner des Orts wegen Besorgung des Durchschnitts.
---------------------------------------------------------
Egensteins Innwohner, junge und alte
wurden in grose, grose Freude gebracht,
weil S[eine]r Herrn Obrist Lieutnant schon lange
dauerndes Sinnen und Bemühen wegen
Abwendung des Rheins, weit vom Ort,
nicht vergeblich war. Auf 100 Jahre hinaus,
rechnen Ekensteins Innwohner, habe Seiner
Hochedelgebohren Herrn Obrist Lieutnant
dem Rhein einen Panzer durch den Cannal
im Neupforzer Wald angelegt, daß er
nicht mehr - wie schon lange Zeit - nicht
nur unser Allmend-Land, sondern so-
gar manchem Bürger sein sauer erwor-
benes Guth hinweg rafte. Gottlob, das
unser Vatter (so nennen und dürfen
wir Bürger Herrn Obrist Lieutnant wie
auch die respective Flusbau-Inspection
mit Recht nenen, weil unser Eigenthums Guth
anjezo gesüchert ist). Das Auge Herrn Obrist
Lieutnants, das mit treuer Liebe für unser
Wohl besorgt war und unaufhörlich auf unser
Elend blikte, hoffen wir Bürger - werde noch nicht
schlummern, das Herz, das so warm für uns
schlug, sind wir Innwohner überzeugt, werde
noch nicht erkalten. In allen Häußern
hiesigen Orts hörte man reine lautere
Freude. Greise riefen Jubel aus. Alte liesen
die Stimme von sich hören: "Vivat. Es lebe noch
lange Herr Obrist Lieutnant Tulla." Kinder
hüpften vor Freude - wie junge Lämmer zur
Frühlingszeit. Dank, Dank, innigen
Dank bringt heute Gericht und Rath und
sämtliche Inwohner für von Herrn Obrist
Lieutnant ohnaufhörlich Bestreben eines
Rheindurchschnitts, welcher unser Glük ist.
Nun, da Ihr Bemühen nicht vergeblich war
und das von Ihnen angeordnete Durch-
schnittswerk, welches 1000de hohe und
niedrige Persohnen betrachteten, wird
Ihr verehrlicher Namme, wie auch der ganzen
Flußbau-Inspektion, so lange eine Ader
sich in dem Körper eines Ekensteiner schlägt,
ohnvergeßlich seyn,
weil Sie keinen Tag ruhig waren, bis Sie
unsern Kummer gestillt und aller hier
Orts Innwohner wieder glüklich zu machen
erzwekt haben.

Eggenstein, d[en] 26n Jan[ua]r 1818

Anwald Dürr
Burgermeister Dürr
Ortsauftrag der ganzen Bürgerschaft
Martin Dürr


(Eigenhändiger Vermerk Tullas:)

Dieses wurde mir zu Eggenstein den 26ten
Jenner, an welchem Tag ich zum ersten Mal
durch den Eggensteiner Durchschnitt fuhr, über-
geben.
Ich visitirte sämtliche Durchschnitte und hatte die
H[er]ren Oberingenieur Rochlitz, Ingenieur
Beisenherz, Professor Ladomus, Capitain
Scheffel, Capitain Klose und den Praktikanten
Gerstner bey mir.
Tulla

     
[ Home ]
   
  16.12.2004 © Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.