Historische Kartenbestände des Oberrheins

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Programmatische Äußerungen Tullas zur Rheinkorrektion

 

>>> Schreiben an Leutnant Georg Heinrich Krieg von Hochfelden* in Germersheim vom 23. März 1821.

Kanzleischrift mit eigenhändiger Unterschrift Tullas
GLA 65/11550

Tulla erwähnt seine Beauftragung mit der Rektifikation des Rheins zwischen Dettenheim und Mannheim durch die badische Regierung. Wenn es in dem Schreiben auch um diesen Rheinabschnitt geht, so enthält es doch einige der Argumente, die für die gesamte Rheinbegradigung gelten: Entwässerung der Rheinniederungen (als Grundlage der Melioration des Gebiets), Schutz der Ufer und Uferdämme, Erleichterung der Schiffahrt und des Landverkehrs.

  • Georg Heinrich Krieg von Hochfelden (1798 Karlsruhe – 1860 Baden-Baden), 1817 zum Leutnant im badischen Militär ernannt und 1818 auf der französischen Artillerieschule in Metz ausgebildet, war 1819 – 1822 zur der Kommission kommandiert, die zur Untersuchung der Frage der Befestigung des Oberrheins vom Deutschen Bund eingesetzt worden war. 1835 wurde mit dem Bau der Bundesfestung Germersheim begonnen

Transkription:

S[einer] Hochwohlgebohren
Herrn Lieutenant v. Krieg
in Germersheim

Karlsruhe den 23ten März 1821
  Auf Euer Hochwohlgebohren geehrte
Zuschrift vom 5ten dieses habe
ich die Ehre unter Mittheilung
eines Planauszuges, auf welchem das
Project der Rectification
des Rhein enthalten ist, nachfol-
gendes zu erwiedern.
Die auserordentliche Krümmungen
des Rheins von Dettenheim bis
Mannheim und die daraus fol-
gende Nachtheile für die Ent-
wässerung der Rheinniederungen,
für die Erhaltung der Ufer- und
der Dämme und endlich für die
Schifffahrt haben die Hohe Badische
Regierung veranlaßt, mir den
Auftrag zu ertheilen, einen
Entwurf für die Rectification
des Rheins zu machen und nebst
den Kostenberechnungen vorzutragen.
Diesem erhaltenen Hohen Auf-
trag zur Folge habe ich eine
Rectification des Rheins auf die
möglichst einfache Art und
mit Berüksichtigung der künf-
tigen Erhaltung des Rheins
in einem unveränderlichen
Bett – welches eine unerlässige
Bedingung ist – entworfen,
und mitfolgender Plan-Auszug
enthält den Entwurf in der
Gegend von Germersheim.
Zur Zeit besteht der Rectifi-
cationsplan blos als Project,
welches zur Höchsten Bestättig-
ung noch nicht vorgelegt
wurde.
Nach meinem Dafürhalten
bedingt die Befestigung von
Germersheim einen unver-
ä nderlichen Lauf des Rheins
und einen niedereren Wasserstand
der hohen Gewässer, ersteres
weil die Festungswerke
dem Stromlauf anpassend seyn
müssen, das letztere, nämlich
ein niederer Wasserstand
der hohen Gewässer, weil bey
dem gegenwärtig sehr in die
Höhe getriebenen Wasserstand
die Festungswerke und die
Strassen in den Rheinniederungen
zu sehr gefährdet werden und
bey einem Angriff der Festung
Germersheim zur Zeit eines
hohen Rheinstandes vom Feind
leicht unter Wasser gesezt
und die Straßen ruinirt werden
können.
Ein Umstand, welcher für die
Geradleitung des Rheins von
Dettenheim bis Germersheim
besonders spricht, ist der, daß
bey wirklicher Ausführung
derselben eine feststehende
Jochbrücke erbaut und die Unter-
haltung einer Schiffbrüke, wel-
che bey jedem Eisgang abge-
führt werden müste, bey jedem
sehr hohen Rheinstand gefähr-
det würde, umgangen werden
kann.
 
Tulla
Obrist[leutnant]

 

     
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