Das 1906 als Hans von Weber Verlag in München gegründete Unternehmen hat seine Wurzeln in der Buchkunstbewegung der Jahrhundertwende. Die in der Tradition der Kunst- und Literaturzeitschriften „Jugend“ und „Pan“ stehende Zeitschrift „Hyperion“ machte den Verlag als Hyperion-Verlag Hans von Weber bekannt. Im Jahr 1913 kaufte Kurt Wolff den Hyperion-Verlag, der an seinem neuen Verlagsort Berlin, zeitweise auch wieder in München, ein bibliophiles Programm fortführte. Unter der Bezeichnung „ Die kleine Jedermanns-Bücherei“ wurde 1920 eine Miniaturbuchreihe begründet, deren erfolgreiche Tradition bis heute nicht abgebrochen ist. Im Jahr 1936 erwarb Hermann Luft den Verlagsnamen mit allen Autorenrechten und änderte den Namen der erfolgreichen kleinformatigen Buchreihe in „Hyperion Bücherei“. Im Jahr 1942 verlegte Luft den Verlagssitz von Berlin nach Freiburg im Breisgau, wo der Hyperion-Verlag bis zu seinem Tod (1980) und dem Tod seiner Tochter Jorinde (2000) ansässig war. 2001 ist der Hyperion-Verlag von Martin Wartelsteiner (Garching/Simbach) übernommen worden, der die „Hyperion-Bücherei“ in „Hyperion-Bibliothek“ umbenannt hat.
Die seit 1920 im gleichbleibenden Format von 6 x 9 cm produzierte Miniaturbücher zeigen eine Vielfalt von Einbandarten: Karton, Ganzleinen, Ganzleder, Broschur (Feldpostausgaben), Kunstleder, Kaliko, Velours, Taftseide oder Sammlerausgaben mit besonderen Ausstattungsvarianten.
Die Vorderdeckel schmücken künstlerisch gestaltete Einbandzeichnungen und/oder typografisch sorgfältig gestaltete Titel. Die Buchrücken tragen den jeweiligen Kurztitel in geprägter Goldschrift. Zu den Künstlern, die mit großer Virtuosität die Einbände der Hyperion-Bücherei gestalteten, gehörte von Anfang an bis in die 1950er Jahre der renommierte deutsche Illustrator, Grafiker, Buchgestalter und Bühnenbildner Emil Preetorius (1883-1975). Zahlreiche Textausgaben sind darüber hinaus illustriert. Die oft farbig gestalteten Kopfschnitte sind stets auf die Einbandgestaltung abgestimmt. Da der „Sitz im Leben“ der unter Sammlern seit jeher beliebten Bücher mit unterschiedlichsten Werken der Weltliteratur oft ein sehr persönlicher war, sind oft auch individuelle, von ihren Leserinnen und Lesern selbst angefertigten Schutzeinbände zum Wechseln überliefert.
Die Universitätsbibliothek ist im Besitz einer nahezu vollständigen Sammlung der berühmten Hyperion-Bücherei, die der Hyperion-Verlag über ein halbes Jahrhundert in Freiburg verlegt hat. Über die bis 1963 als Pflichtexemplare an die Universitätsbibliothek gelangten Bände ist der größte Teil Heinz Fritsch zu verdanken, dem leidenschaftlichen Sammler bibliophiler Kostbarkeiten und kenntnisreichen Bibliograph der Hyperion-Bücherei und deutschsprachiger Miniaturbücher.