Das Römische Reich und Europa      



      Schätze der Universität.
Die Münzsammlung des Seminars für Alte Geschichte

Eckhard Wirbelauer


Vom 9. Juni bis 28. Juli 1999 veranstaltet das Seminar für Alte Geschichte gemeinsam mit der Volksbank Freiburg eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek zum Thema "Das Römische Reich und Europa. Währungsunionen im Vergleich". Aus Anlaß der entstehenden europäischen Währungsunion soll hier in einem historischen Vergleich dargestellt werden, welche Chancen, aber auch: welche Schwierigkeiten sich ergeben, wenn in einem weiträumigen Gebiet dieselbe Währung Gültigkeit besitzt. Für diesen Vergleich bietet sich das Römische Reich nicht nur aus geographischen, sondern auch aus verschiedenen geldgeschichtlichen Gründen an. In beiden Fällen sind ähnlich gelagerte Probleme zu lösen gewesen, so die Frage nach Zahl und Ort der verschiedenen Münzprägestätten oder nach der Kontrolle der Güte des umlaufenden Geldes. Auch in den Gestaltungsprinzipien des Geldes lassen sich Parallelen ausmachen: So haben etwa die Vorder- und Rückseiten der römischen Münzen ebenso Einheit und Vielfalt des Imperium Romanum zum Ausdruck gebracht wie das neue europäische Geld, das ab 2002 in unserer aller Hände sein wird.

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist für eine solche Ausstellung bestens gerüstet, besitzt doch ihr Seminar für Alte Geschichte mehr als 12000 Münzen der römischen Kaiserzeit und der Spätantike. Diese machen den Großteil einer Münzsammlung aus, die Herbert Nesselhauf, der damalige Lehrstuhlinhaber für Alte Geschichte, im Jahr 1961 vom Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg erwerben konnte. Dorthin war zwanzig Jahre zuvor nach einigen Umwegen gelangt, was der Erlanger Geheime Oberbaurat Heinrich Wefels zwischen 1900 und 1926 auf zahllosen Auktionen zusammengebracht hatte: Annähernd 14000 Münzen umfaßte schließlich die Sammlung Wefels, darunter etwa 10300 Münzen römischer Kaiser und weitere 2400, die griechische Städte während der römischen Kaiserzeit prägten. Wefels konzentrierte sich zwar auf die Zeit des Imperium Romanum, nahm jedoch auch weitere Gebiete in seine Sammlung auf, wie insbesondere die etwa 950 byzantinischen Prägungen bezeugen. Doch auch ältere Zeiten sind vertreten: Neben 360 Exemplaren aus der Römischen Republik umfaßt die Sammlung etwa 220 griechische Münzen aus vorrömischer Zeit sowie 22 keltische Prägungen. Obgleich es dem Seminar für Alte Geschichte nicht möglich ist, neue Münzen hinzuzukaufen, konnte die Sammlung dank großzügiger Schenkungen durch Herbert A. Cahn, Otto Feld und Gerold Walser in jüngster Zeit noch erweitert werden. Heute wird sie zudem durch eine stattliche und anerkanntermaßen gute Fachbibliothek ergänzt, deren Grundbestand gleichfalls auf Heinrich Wefels zurückgeht.

Man darf es in mehrfacher Hinsicht als Glücksfall bezeichnen, daß diese Münzsammlung an das Seminar für Alte Geschichte geriet. Glück war es, daß sie überhaupt zusammenblieb und nicht nach dem Tode Wefels' von seinen Erben auseinandergerissen wurde. Dadurch konnte die enorme Arbeitsleistung, die Heinrich Wefels in die Bestimmung der einzelnen Stücke gelegt hatte, als ganze konserviert werden. Noch heute zeugen hiervon Wefels' Beschriftungszettel mit ihrer winzigen, gleichwohl akkuraten Schrift. Glück war es auch, daß sich in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs trotz der widrigen Umstände der Justizrat Holler der Sammlung angenommen hatte, die durch mehrere Transporte in Unordnung geraten war. Die Sammlung befand sich nunmehr bereits in Freiburg, war aber der wissenschaftlichen Arbeit ebenso entzogen wie der breiteren Öffentlichkeit. Hierzu hatte insbesondere die neue Aufbewahrungsform beigetragen. Die Münzen waren inzwischen aus ihrem ursprünglichen Schrank herausgenommen und in Tütchen verpackt worden, die Kinder des Freiburger Kinderheims St. Lioba im Kriege geklebt hatten. So war zwar für einen künftigen Transport vorgesorgt, doch zugleich eine intensive Beschäftigung mit den einzelnen Exemplaren praktisch ausgeschlossen, da sich bis zu 20 Münzen in einem Tütchen befanden. Wiederum bedurfte es etwas Glücks. Als sich das Erzbischöfliche Ordinariat entschloß, seinen Schatz zu versilbern, konnte dank Vermittlung der Freiburger Professoren Clemens Bauer und Edward Sangmeister sowie dank eines hilfreichen Gutachtens des Frankfurter Althistorikers Konrad Kraft die Sammlung für das Seminar für Alte Geschichte erworben werden. Herbert Nesselhauf hatte sich mit Erfolg für Bundes- und Landeszuschüsse eingesetzt und somit ein einzigartiges Hilfsmittel für die Ausbildung künftiger Altertumswissenschaftler und Historiker dem Seminar für Alte Geschichte zugeführt. Allein, an einen sofortigen Einsatz in der Lehre war kaum zu denken. Zuvor bedurfte es jahrelanger entsagungsvoller Arbeit, die Münzen aus den Tütchen auf Tabletts umzulagern, sie erneut zu bestimmen und den Bestand zu katalogisieren. Als 1967 dem Seminar für Alte Geschichte die Stelle eines Akademischen Rates zugewiesen und mit Marieluise Deißmann-Merten besetzt worden war, erwies sich auch dies als Glücksfall. Denn Marieluise Deißmann-Merten verlegte sich nicht nur darauf, die Sammlung zu ordnen und zu inventarisieren, sondern setzte sie bereits während dieser Aufarbeitung regelmäßig in der Lehre ein. Seit nunmehr fast 30 Jahren finden in jedem Semester numismatische Übungen statt, bei denen Studierende direkt an antiken Quellen ausgebildet werden. Aufgrund des großen Bestandes ließ sich auch die Thematik dieser Übungen stets variieren, wie der Blick in die Vorlesungsverzeichnisse zeigt: "Münzprägung unter den Flaviern" (SS 1996) oder " in der Zeit Diokletians und Konstantins" (WS 1995/6), "Die byzantinische Münzprägung" (SS 1993) oder "Kaiserzeitliche Münzprägung in den kleinasiatischen Städten" (WS 1996/7), "Frauen auf römischen Münzen (WS 1992/3) oder "Die Bauten der Römer auf Münzen" (WS 1974/5 und WS 1980/1). Wer einmal die Faszination gespürt hat, die sich beim Umgang mit den antiken Originalen einstellt, wird nicht nur künftig eine bessere, nämlich selbst gewonnene Vorstellung, von diesen Stücken besitzen, sondern auch ein geschärftes Bewußtsein gewinnen, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten die Interpretation antiker Quellen mit sich bringt.

Nachdem nun seit einigen Jahren der Bestand vollständig erfaßt ist, rückt die angemessene Präsentation der Sammlung immer mehr in den Vordergrund. Dabei werden - neben der bereits angesprochenen numismatischen Übung für Studierende - verschiedene Wege beschritten, die zu verschiedenen Publikumskreisen führen. Zum einen gilt es, die Sammlung der scientific community zugänglich zu machen. Eine Publikation der gesamten Bestände ist freilich nicht zu finanzieren und gegenwärtig nur als Fernziel anzustreben. Dagegen sind bereits einzelne Stücke in Fachzeitschriften vorgestellt worden. Inzwischen ist auch ein Corpus mit 1027 kaiserzeitlichen Prägungen aus Alexandria soweit bearbeitet worden, daß es nur noch einer finanziellen Unterstützung bedarf, um die Publikation vorzulegen. Da zudem auch die Sammlung von Münzen aus den übrigen griechischen Städten eine wissenschaftliche Rarität darstellt, deren Bearbeitung für eine Publikation bereits weit fortgeschritten ist, bleibt zu hoffen, daß dieser Bereich der Sammlung in näherer Zukunft publiziert werden kann. An Mitarbeitern fehlt es nicht, wirkt sich hier doch die vorbildliche Nachwuchsförderung aus, die Marieluise Deißmann-Merten trotz geringer Mittel am Seminar für Alte Geschichte praktiziert. Die Bearbeiter dieser Teilsammlung, David Boehringer, Marcus Meyer, Peter Franz Mittag und Eckhard Stephan haben alle unter Marieluise Deißmann-Merten das numismatische Rüstzeug erlernt. Neben die Publikationen mit Text und Bild treten noch weitere Verbreitungsformen, die unter Numismatikern sehr geschätzt werden. Seit Jahren werden auf Anfrage einzelne Photographien oder Gipsabgüsse angefertigt und verschickt. Auch hier sind freilich finanzielle Grenzen gesetzt, da die Anfertigung solcher Photos oder Abgüsse Zeit und Erfahrung bedarf. Aus diesem Grund läßt sich auch gegenwärtig die Erstellung von Repliken für den schulischen Unterricht nur im Ausnahmefall durchführen, obgleich sich solche Münzimitate hervorragend für den Einsatz an Schulen eignen. Hier nun greift die dritte Möglichkeit, Münzen einem größeren Publikum vor Augen zu führen: die Ausstellung. Nachdem bereits 1995 einmal etwa 100 Exemplare dank des Engagements von Peter Franz Mittag innerhalb der Archäologischen Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie gezeigt worden waren, soll nun erstmals ein größerer Teil der Sammlung mit einer historischen Fragestellung präsentiert werden. Das Seminar für Alte Geschichte freut sich auf Ihren Besuch in der Ausstellung "Das Römische Reich und Europa. Währungsunionen im Vergleich".


Literaturhinweise:

Paul Georg Kastner, Aus der Münzsammlung des Seminars für Alte Geschichte an der Universität Freiburg, Freiburger Universitätsblätter Heft 65, 1979, 73-77.

Eckhard Meyer, Die Bronzeprägung von Laodikeia in Syrien 194-217, Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 37/38, 1987/88, 57-92. Eckhard Meyer, Zwei unedierte severische Münzen aus Laodicea ad mare und Milet, in: Quaderni ticinesi di numismatica e antichità classiche 18, 1989, 269-278.

Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer, Die Münzprägung von Paltos in Syrien, Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 44, 1994, 91-111.


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