Sammlungsgeschichte im Überblick

Institution und Sammlung: die Anfänge

Die Anfänge der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. reichen zurück ins ausgehende Mittelalter, und zwar in die Zeit um 1457, dem Gründungsjahr der Universität.

Teile der heutigen historischen Sammlungen der UB Freiburg entstammen den verschiedenen im frühen universitären Umfeld entstandenen Büchersammlungen: Fakultäts-, Bursen- und Professorenbibliotheken. Über Fakultätsprotokolle der Zeit, Besitzvermerke in den einzelnen Büchern u.a. sind diese verschiedenen Provenienzen teilweise noch greifbar.

Von Anfang an kam unter den Büchersammlungen der einzelnen Fakultäten der der Artistenfakultät eine besondere Bedeutung zu, mußte doch die Artistenfakultät von allen Studierenden besucht werden, ehe ein Studium in den Oberfakultäten der Theologie, der Medizin und der Jurisprudenz begonnen werden konnte. Aus dieser Funktion folgte, daß die Büchersammlung der Artistenfakultät schon im 16. Jahrhundert auch als bibliotheca universitatis bezeichnet wurde, sie zur Hauptbibliothek der Universität wurde. Aus ihr ging schließlich die Bibliothek der Gesamtuniversität und in deren Nachfolge die heutige Universitätsbibliothek hervor.

Neben den Fakultätsbibliotheken spielten gerade in der Anfangszeit die Büchersammlungen der Bursen und Stiftungshäuser, in denen die Studierenden lebten und arbeiteten, eine besondere Rolle. Eine der bekanntesten Freiburger Bursen war das Collegium Sapientiae, 1496 begründet von Johannes Kerer, dem langjährigen Münsterpfarrer und Professor an der Artistenfakultät. Der umfangreiche Bücherbestand aus den Bursen kam nach ihrer Auflösung ab Mitte des 18. Jahrhunderts an die Universität und wurde mit den Bücherbeständen der Fakultäten vereinigt bzw. ging dann in den Bestand der Universitätsbibliothek ein. Die Bücher aus den Bursen tragen zum Teil noch handschriftliche Besitzvermerke oder auch die bei der Neuordnung der akademischen Buchbestände nach 1755 / 1756 eingefügten Exlibris, die im Nachhinein die entsprechenden Provenienzen markieren sollten.

Inhaltlich spiegeln diese frühen Büchersammlungen den frühhumanistischen Studienkanon und zeugen noch heute vom Zeitalter des Humanismus am Oberrhein.

Zeitalter des Humanismus

Die Universität, insbesondere die Artistenfakultät wurde um 1500 zum Einfallstor für die Studia humanitatis. Neben den traditionellen Fächern Grammatik, Rhetorik und Logik und den vier rechnenden Artes gehörten jetzt vorrangig die Auctores zum Studienkanon: die lateinischen Autoren des Altertums, aber auch des Mittelalters, die Schriften der Neulateiner und der italienischen Humanisten.

Das Studium des neuen Testaments erfolgte in diesem Kontext zunehmend im Rückgriff auf die Quellen; Kenntnisse des Griechischen, aber auch des Hebräischen wurden von Bedeutung.

Begleitet wurden diese Neuerungen und Akzentverschiebungen im Studienkanon von Ansätzen einer neuen Pädagogik. Sie führte zu zahlreichen humanistisch geprägten Schulordnungen, Verhaltenscodices und Übersetzungen antiker Morallehren.

Die Universität Freiburg war eingebunden in die Blütezeit des Humanismus im deutschen Südwesten im 16. Jahrhundert, waren doch nicht wenige Humanisten oder humanistischem Gedankengut aufgeschlossene Gelehrte als Studierende oder Lehrende an der Freiburger Universität tätig oder lebten für einige Zeit in Freiburg. Sebastian Brant, Beatus Rhenanus, Erasmus von Rotterdam, Johannes Reuchlin, Jacob Wimpfeling, Ulrich Zasius u. a. prägten das Zeitalter des Humanismus am Oberrhein. Basel und Straßburg waren die herausragenden Druckorte der Region, und die dort verlegten Schriften fanden schnell Eingang auch in die Freiburger Büchersammlungen.

Die Spuren dieser Blütezeit sind im historischen Buchbestand der UB Freiburg noch immer deutlich sichtbar und sind zugleich signifikant für einen Literaturkanon, wie er im universitären Umfeld gesammelt wurde. Die Schriften selbst der im Oberrheingebiet zeitweise lebenden und lehrenden Humanisten einerseits sowie Schul- und Studienliteratur der Zeit (Grammatiken, Rhetoriken, Wörterbücher, die Texte der klassischen Autoren, Rechtsbücher, Verhaltenscodices usw.) andererseits sind somit zahlreich im heutigen Bestand vertreten. Etliche Exemplare zeugen durch zahlreiche Nutzungsspuren wie u.a. durch Annotationen vom frühen Studienbetrieb; viele von ihnen entstammen den Büchersammlungen der Bursen und kamen erst im 18. Jahrhundert in die universitäre Büchersammlung.

Jesuitenzeit

Nach einer Phase des Niedergangs der Universität zu Ende des 16. Jahrhunderts erfolgte schließlich eine Neustrukturierung durch den Einzug der Jesuiten im Jahr 1620 in das Lehrerkollegium. Die Universität blieb danach in jesuitischer Trägerschaft bis zur Aufhebung des Ordens 1773. Für das Jahr der Übernahme gibt es auch eine erste Nachricht über die Größe der Bibliotheca academica oder Bibliotheca universitatis: 413 in einem Katalog nachgewiesene Bände. Die Jesuiten knüpften allerdings nicht direkt an diese bestehende Bibliothek an, sondern bauten daneben eine eigene Büchersammlung in einem eigenen Kolleg auf. Der Schwerpunkt der Bibliothek des Jesuitenkollegs lag naturgemäß bei theologischen und philosophischen Titeln, sie umfaßte vor allem die kontroverstheologische Literatur, angefangen bei den Schriften der bedeutendsten Jesuiten über regionale Autoren bis hin zu kleineren Traktaten und konfessionspolemischen Predigttexten. Darüber hinaus wurde Schulliteratur für den praktischen Lehrbetrieb angeschafft. Die Bibliothek des Jesuitenkollegs belief sich schließlich 1773 auf 5.800 Werke und bestand bis zuletzt parallel zur Bibliotheca academica.

Reformen unter Maria Theresia

Die Universitätsreform unter Kaiserin Maria Theresia seit 1755 ermöglichte nicht nur die Aufgabe der unter den Jesuiten entstandenen zunehmenden Einengung der wissenschaftlichen Lehren und die Öffnung gegenüber neuen Wissenschaftszweigen, sie betraf auch wesentlich die bibliothekarische Organisation innerhalb der Universität. Ab 1755 erfolgte die Zusammenlegung der Fakultätsbibliotheken und die Schaffung einer einheitlichen Universitätsbibliothek. Ab etwa 1759 war zudem der Neubau des Bibliothekssaals im Kollegiengebäude der Universität am Franziskanerplatz fertiggestellt.

Die Provenienzen der einzelnen Bücher blieben jedoch innerhalb der neu eingerichteten Bibliothek ersichtlich: Der Universitätskupferstecher Peter Mayer (1718-1800) fertigte 1756 für die Bestände aus den Fakultäten und aus der Gesamtuniversität Exlibris an, die die Besitzverhältnisse der einzelnen Bücher vor 1756 heute noch kennzeichnen. Dies gilt auch für die Bücherbestände aus den Freiburger Bursen und Stiftungshäusern, die im Zuge der weiteren Bibliotheksreformen ebenfalls in die Universitätsbibliothek eingingen. Aus ihnen kamen entscheidende Bestände mit humanistischer Literatur und Schulliteratur aus der Anfangszeit der Universität, somit auch viele Inkunabeln und frühe Drucke aus dem Oberrheingebiet endgültig in die Universitätsbibliothek.

Die schließlich 1773 erfolgte Aufhebung des Jesuitenordens bedeutete aber nicht nur eine veränderte Trägerschaft und Neustrukturierung für die Universität, sondern leitete zugleich das Zeitalter der Säkularisation ein, das auch die Universitätsbibliothek Freiburg über Jahrzehnte vor die Aufgabe stellte, umfangreiche Buchbestände aus kirchlichem Besitz in ihre Sammlung zu integrieren.

Zeitalter der Säkularisation

Für die Freiburger Bibliothek begannen die Auswirkungen der Säkularisation und die Übernahme säkularisierten Buchbestands 1773, dem Jahr der Aufhebung des Jesuitenordens, des bisherigen Trägers der Universität. Jetzt wurde die Büchersammlung des Freiburger Jesuitenkollegs, die parallel zur bibliotheca universitatis aufgebaut worden war, der Universitätsbibliothek eingegliedert. Bestände weiterer Jesuitenkollegs kamen hinzu (aus dem Sundgau, aus Feldkirch, teilweise aus Rottenburg usw.)

Dieser ersten Säkularisationswelle folgte schon bald eine zweite: Die josephinischen Klosteraufhebungen von 1782 brachten u.a. Buchbestände aus den Kartausen in Freiburg und Basel, aus den Frauenklöstern und weiteren Klöstern des Breisgau, aus Kloster Waldsee usw. in die Universitätsbibliothek Freiburg. Insbesondere die Bestände aus Waldsee erweiterten das Spektrum an Schulliteratur, an Texten griechischer und lateinischer Autoren und weiterer Humanistenliteratur.

Die letzte Welle von Säkularisationen - die badische von 1806 - war nochmals von einschneidender Bedeutung für die Bestandsgeschichte der UB Freiburg. Zwar hatte jetzt die Badische Hofbibliothek in Karlsruhe die Vorauswahl hinsichtlich des Säkularisationsgutes und nutzte dieses auch extensiv, um sich vor allem Prachthandschriften und wertvolle Frühdrucke zu sichern. Dennoch blieb für die UB Freiburg einiges gerade an wissenschaftlich interessanter Literatur aus Klosterbesitz zur Integration in die eigenen Bestände übrig. Von besonderer Bedeutung war in diesem Zusammenhang die Aufhebung der Schwarzwaldklöster St. Peter und St. Blasien, beide im ausgehenden 18. Jahrhundert herausragende Stätten klösterlicher Gelehrsamkeit mit beachtlichen eigenen Bibliotheken: St. Peter besaß etwa 20.000 Bücher, St. Blasien trotz des Neuaufbaus der Bibliothek nach dem Brand von 1768 rund 18.600 Bände.

Insbesondere die Äbte Philipp Jacob Steyrer ( 1715-1795) von St. Peter und Martin Gerbert (1720-1793) von St. Blasien waren den neueren historiographischen Methoden der Mauriner aufgeschlossen, erwarben die Schriften der Mauriner und Bollandisten für ihre Bibliotheken und forschten und publizierten selbst in dieser Tradition. Die Schriften Martin Gerberts waren und sind zudem lokalhistorisch von besonderem Interesse, verfasste er doch die erste Geschichte des Schwarzwalds; dazu erschien die erste genaue Schwarzwaldkarte in der klostereigenen Druckerei. Es waren vor allem diese Bestände aus den Schwarzwaldklöstern, die schließlich in Freiburg verblieben. Aus St. Peter verblieben zudem der von Abt Steyrer angelegte handschriftliche Bibliothekskatalog, der heute einzig die vollständige Rekonstruktion dieser bedeutenden Klosterbibliothek erlaubt, aber auch die bedeutende Kartensammlung des Klosters und zahlreiche wertvolle Bibelausgaben. Aus sanblasianischem Besitz sind schließlich im heutigen Bestand u.a. noch rund 100 Inkunabeln nachweisbar.

Gelehrtenbibliotheken und Nachlässe

Aber nicht nur säkularisierter Klosterbesitz bestimmte die Bibliothekszuwächse seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der "einseitige" Literaturzuwachs wurde korrigiert durch Übernahmen von Gelehrtenbibliotheken. Bereits 1778 gelang es, die Bibliothek des Kirchenrechtlers Joseph Anton Riegger (1742-1795) zu übernehmen und Lücken im Literaturbestand aus den Gebieten Theologie, Geschichte, Literatur und Recht zu schließen. Ähnliches galt für die Übernahme von Büchern des Staats- und Kirchenrechtlers Hermann v. Greiffenegg. Nachdem Ende des 18. Jahrhunderts bereits vereinzelte Titel aus dem Besitz des Dogmatikers Engelbert Klüpfel (1733-1811) erworben werden konnten, brachte schließlich die Schenkung seines Buchbesitzes mit 4.000 Bänden - darunter wertvolle Erstausgaben - und mit rund 500 Dissertationen einen beachtlichen Bestandszugang, der insbesondere auch die theologische Literatur jenseits des jesuitischen Schrifttums komplettierte. Bücher aus dem Besitz des Naturwissenschaftlers und Botanikers Karl Julius Perleb (1794-1845) erlaubten es, Lücken auf dem Gebiet der Naturwissenschaften zu schließen.

Die Säkularisation der Klosterbibliotheken bedeutete zugleich eine allgemeine Belebung des Buchmarktes und ermöglichte es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielen Gelehrten, ihre privaten Büchersammlungen mit wertvollen Drucken und Handschriften anzureichern. Von diesen Sammlungen kamen dann einige als Donate oder Legate in den Besitz der Universitätsbibliothek. Für Freiburg waren in dieser Hinsicht die Gelehrten und Sammler Johannes Leonhard Hug (1765-1846) und Franz Karl Grieshaber (1798-1866) von eminenter Bedeutung. Über beide kamen wertvolle Handschriften und Drucke in den Bestand. Dem Freiburger Alttestamentler und Orientalisten Hug, der in freundschaftlichem Kontakt zu Lassberg stand und von dessen bibliophilen Aktivitäten profitierte, verdankt die UB 55 Handschriften, darunter einige ihrer herausragendsten illuminierten und 39 orientalistische Handschriften. Aus dem Nachlaß des Theologen, klassischen Philologen und Rastatter Gymnasialprofessor Grieshaber stammen 44 meist theologische Codices, 66 lateinische und deutsche mittelalterliche Fragmente und zahlreiche Inkunabeln.

Für den Bestand an romanistischer, insbesondere hispanistischer Literatur waren die Legate von Gottfried Baist (1853-1920) und Adolph Schaeffer (1845-1928) von Bedeutung; so stammt aus dem Nachlaß Schaeffer eine beachtliche Zahl von Drucken altspanischer Dramen.

Zwar konnten Ende des 20. Jahrhunderts aufgrund einer testamentarischen Verfügung Teile des Büchernachlasses von Gertrud Luckner (1900-1995) in den Bestand der UB Freiburg übernommen werden. Insgesamt ebbten aber im 20. Jahrhundert die Schenkungen ganzer Gelehrtenbibliotheken ab. Dafür kam über Nachlässe vor allem interessantes handschriftliches Material in den Bibliotheksbestand; als letzter Zugang des 20. Jahrhunderts sei hier der Nachlaß des Komponisten und Kompositionslehrers Friedrich Zipp genannt und auf die umfangreiche Sammlung von Geologennachlässen des Geologen-Archivs, das seit 1972 im Besitz der UB Freiburg ist, verwiesen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konnten die Historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek Freiburg durch Schenkung der Sammlung von Rom um eine umfangreiche und wertvolle Bücher- und Autographensammlung zur französischen Geschichte, Literatur und Kultur des 16. bis 20. Jahrhunderts bereichert werden.

Im Sommer 2006 konnte der Handschriftenbestand der UB Freiburg durch Ankauf einer privaten Sammlung deutschsprachiger Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, um die "Sammlung Leuchte", erweitert werden.

Die Sammlung und ihre Orte

Erste Orte der universitären Büchersammlungen

Im sogenannten Neuen Rathaus der Stadt Freiburg liegen die Anfänge der 1457 gegründeten Universität und damit auch der Universitätsbibliothek.

Altes Rathaus wie Neues Rathaus - beide zusammen bilden heute das historische Rathausviertel der Stadt - bestehen jeweils aus mehreren zu einem Komplex zusammengefügten spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Einzelgebäuden und wurden beide im Laufe der Jahrhunderte mehrfachen An- und Umbauten unterzogen. Teile des Neuen Rathauses, das seine heutige Gestalt einer Umgestaltung aus der Zeit 1896-1901 verdankt, dienten der Universität bis 1774 als Hauptgebäude, danach wurde das Gebäude Sitz der Anatomie und ab 1868 der Poliklinik. Erst 1895 fand die universitäre Nutzung ihr Ende.

Erste genauere Nachrichten über einen eigenen Bibliotheksraum der Universität aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzen bei diesem Gebäudekomplex an. Sie befassen sich mit einem Neubau des Bibliotheksraums, der schließlich in unmittelbarer Nähe im Kollegiengebäude am Franziskanerplatz ausgeführt und etwa 1759 fertiggestellt wurde.

In Nachbarschaft zur Universität lagen in der Frühzeit Bursen und Kollegs, deren Büchersammlungen heute ebenfalls zum historischen Bestand der Universitätsbibliothek gehören.

Die Bibliothek in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Die Geschichte von Universität und Bibliothek war im 17. und 18. Jahrhundert eng mit dem Wirken des Jesuitenordens in Freiburg verbunden. So wurde zwischen 1683 und 1729 an der Bertholdstraße ein Neubau als Kollegium für den Jesuitenorden errichtet - die heutige sog. Alte Universität -, der auch die von den Jesuiten zusammengetragene Büchersammlung beherbergte. Die sich an diesen Gebäudekomplex anschließende heutige Universitätskirche wurde 1683-1701 nach Plänen des Jesuiten Heinrich Mayer fertiggestellt. Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde das Kolleg der Jesuiten schließlich Hauptsitz der Universität bis 1911.

Auch die Bibliothek der Universität, deren Räumlichkeiten im alten Kollegiengebäude am Franziskanerplatz trotz Umbaumaßnahmen nicht mehr den Anforderungen durch die Studienreform von 1767 genügten und deren bauliche Substanz erhebliche Mängel zeigte, zog 1776 in das neue Hauptgebäude der Universität, also in das ehemalige Jesuitenkolleg um; sie erhielt im 1. Stock einen größeren Saal und verblieb hier trotz zuletzt erheblicher Raumprobleme bis 1783.

Die Bibliothek im 19. Jahrhundert

Auch aufgrund der erheblichen Bestandszuwächse aus Säkularisationsgut war der Bibliothekssaal im ehemaligen Jesuitenkolleg und späteren Hauptgebäude der Universität ab 1776 als Ort der universitären Büchersammlung nicht mehr ausreichend. Daher zog die Bibliothek noch im ausgehenden 18. Jahrhundert um in das vis-à-vis gelegene ehemalige Jesuiten-Gymnasium und war dort bis 1902 untergebracht. Danach wurde der Bau von der Universität als Hörsaalgebäude genutzt und schließlich 1944 zerstört.

Historische Aufnahmen des Bibliothekssaals verdeutlichen die unter klassizistischem Gewand verborgene Schausaalkonzeption der Bibliothek. Auch dieser Bibliotheksort konnte mit Blick auf die erheblichen Bestandszuwächse der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts nur eine Notlösung sein. Entsprechend mehren sich die Klagen über unhaltbare Platz- und Benutzungsverhältnisse in diesem Bibliotheksgebäude schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die sehr lange Planungsphase für einen wirklichen Neubau der Bibliothek erzwang jedoch noch die Nutzung dieser Räumlichkeiten bis zum Ende des Jahrhunderts.

Die Universitätsbibliothek 1903-1978

Als der Architekt Carl Schäfer (1844-1908) 1895 erste Pläne für ein neues Bibliotheksgebäude für die Universität Freiburg erstellte, orientierte er sich stilistisch am Freiburger Münster, das das Stadtbild damals mehr noch als heute dominierte, und wählte - entgegen damaliger Architekturströmungen für Bildungsbauten - bewußt neogotische Bauformen für die Bibliothek. Auch versuchte er mittelalterliche Bautraditionen bei der Bauausführung - vor allem im Bereich der plastischen Ausschmückung des Gebäudes - wiederzubeleben.

Von 1903-1978 diente dieses Gebäude als Universitätsbibliothek. 1944 kriegsbedingt teilweise zerstört, wurde die UB nach 1950 unter Erweiterung der Nutzfläche wieder aufgebaut, konnte aber schließlich den gestiegenen Anforderungen einer expandierenden Universität nicht mehr genügen. 1978 bezog die Universitätsbibliothek ein neues, dem Carl-Schäfer-Bau gegenüberliegendes Gebäude. Die alte Bibliothek wurde umgebaut zum Kollegiengebäude IV der Universität und beherbergt u.a. jetzt die Verbundbibliothek im KG IV mit den Bibliotheken des Historischen Seminars, des Seminars für Wissenschaftliche Politik und des Instituts für Soziologie.

Der Carl-Schäfer-Bau war das erste eigenständige Bibliotheksgebäude der Universität Freiburg und entsprach zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Magazinbibliothek konzeptionell dem Stand bibliothekarischer Bauvorstellungen.

Heute ist gerade auch die kunstgeschichtliche Bedeutung des Baus als Repräsentant der Neogotik der Jahrhundertwende unbestritten, ebenso die geschlossene stilistische und künstlerische Konzeption des Gebäudes und sein Stellenwert im Werk Carl Schäfers.

Die Universitätsbibliothek 1978-2008

Der 1978 bezogene Neubau der Universitätsbibliothek Freiburg ist ein Ergebnis enger Kooperation zwischen dem Universitätsbauamt unter seinem damaligen Leiter Ortwin Müller und der Universitätsbibliothek unter dem Direktorat von Wolfgang Kehr. Die Bibliothek im alten Universitätszentrum und damit in der Innenstadt zu belassen, wurde nur möglich durch Aufgabe und Abriß eines in unmittelbarer Nähe gelegenen und den aktuellen Bedürfnissen entwachsenen Schulgebäudes aus dem 19. Jahrhundert, eine Anfang der siebziger Jahre in Freiburg sehr umstrittene und umkämpfte Entscheidung. Andere und weitergehende Freiflächen in entsprechender Lage standen nicht zur Verfügung. So mußte die Enge dieses Grundstücks maximal genutzt werden durch Kompaktbebauung; das Gebäude selbst spiegelt die technischen und konzeptionellen Standards der Zeit.

Für die historischen Sammlungen der Bibliothek wurden spezielle Unterbringungs- und Nutzungsmöglichkeiten eingeplant, insbesondere ein großer Tresorraum innerhalb des geschlossenen Magazins und ein eigener Lesesaal.

Die Sammlung und ihr heutiger Ort

Das  seit 1978 genutzte Bibliotheksgebäude muss nun für mehrere Jahre umfassend saniert werden. Seit Herbst 2008 ist daher die Bibliothek in zwei Ausweichgebäuden untergebracht.

Der Sonderlesesaal befindet sich im Universitätszentrum im Gebäude UB 2. Der größte Teil der historischen Bestände der UB Freiburg muss während der Bauzeit und der Baumaßnahmen im Sanierungsgebäude in den geschlossenen Magazinen verbleiben. Nur für ausgewählte Bestandsgruppen konnte eine vorsorgende Bestandssicherung durch Auslagerung  in Ausweichquartiere erreicht werden.

Die Benutzung sowohl der im Baustellenbereich als auch der in Ausweichquartieren untergebrachten Bestände ist somit erschwert; die Bereitstellung bestellter Literatur braucht jetzt einen größeren zeitlichen Vorlauf. Einzelheiten finden Sie hier.

Weiterführende Literatur zur Sammlungs- und Baugeschichte

Sammlungsgeschichte

  • Hagenmaier, Winfried: [Bände 1, 3-5]
    Gottwald, Clytus:[Band 2]
    Die Handschriften der Universitätsbibliothek und anderer öffentlicher Sammlungen in Freiburg im Breisgau und Umgebung. - (Kataloge der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau ; 1,1-5)
    Online-Ausgabe über http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/kataloge-online.htm#Freiburg
  • Hagenmaier, Winfried: Johann Leonhard Hug (1765 - 1846) als Handschriftensammler : die von ihm erworbenen und der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. vermachten Handschriften im Spiegel seiner Forschungs- und Interessengebiete / von Winfried Hagenmaier. - Freiburg im Breisgau : Herder, 1980; (dt.)
    Aus: Freiburger Diözesan-Archiv ; 100.1980 = Folge 3,32
  • Hagenmaier, Winfried: Die Handschriftensammlungen Franz Karl Grieshabers (1798-1866) in der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau / von Winfried Hagenmaier. - Köln : Bibliothekar-Lehrinst. d. Landes Nordrhein-Westfalen, 1975. - 97 S. ; Ill. - (Hausarb. z. Prüfung f. d. höheren Dienst an wiss. Bibliotheken) [Online]
  • Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland / hrsg. von Bernhard Fabian. - Hildesheim : Olms-Weidmann; (dt.)
    Band: 7. Baden-Württemberg und Saarland / hrsg. von Wolfgang Kehr. - A - H. - 1994. - 309 S.; (dt.) - ISBN 3-487-09581-5
    Online: http://fabian.sub.uni-goettingen.de/fabian?Universitaetsbibliothek_-_Freiburg_(Breisgau)
  • Herbst, Ingeborg: Der Nachlaß des Geographen Carl Ritter in der Universitätsbibliothek, Freiburg i. Br. / Ingeborg Herbst, 1960. - 66 Bl.; (dt.) - Hamburg, Bibliotheksschule, Prüfungsarbeit, 1960
  • Karasch, Angela: Die historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek Freiburg im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. In: Die Bibliothek - von außen und von innen. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibl., 2008, S. 225-270.
    Online: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5000/
  • Karasch, Angela: Verborgene Pracht : Illuminierte Handschriften in Freiburger Sammlungen. In: Verborgene Pracht. Katalog der Ausstellung des Augustinermuseums Freiburg in der Universitätsbibliothek Freiburg, 8. Juni - 28. Juli 2002. - Lindenberg : Fink, 2002, S. 9-33. [Online]
  • Karasch, Angela: Der Nachlaß Friedrich Zipp in der UB Freiburg / Angela Karasch ; Bernhard Hauck. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibl. Freiburg i. Br., 1998. - S. 22 - 26 : Ill., Notenbeisp.; (dt.) - Aus: Expressum ; 1998,9
  • Karasch, Angela: Geschichte(n) im Bild? : die illustrierten Schriften von Philipp Jakob Steyrer / Angela Karasch. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibl., 1995. - S. 78 - 137 : Ill.; (dt.) Aus: Unfreiwillige Förderung.
    [Online]
  • Klaiber, Ludwig: Die altspanischen und altportugiesischen Drucke und Handschriften der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. / Ludwig Klaiber. - New York, 1933. - 32 S.; (portug., span.) - Aus: Revue hispanique ; 81
  • Mitteilungen aus der Freiburger Papyrussammlung. - Bonn : Habelt; (dt.)
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  • Der Nachlaß Dr. Gertrud Luckner in der Universitätsbibliothek Freiburg / [Vorr.: Albert Raffelt]. - [Freiburg i. Br.] : [Univ.-Bibl. Freiburg], [1997]. - [ca. 120] Bl.; (dt.)
  • Sack, Vera: [Einleitung zu:]
    Die Inkunabeln der Universitätsbibliothek und anderer öffentlicher Sammlungen in Freiburg im Breisgau und Umgebung / beschrieben von Vera Sack. - Wiesbaden : Harrassowitz; (dt.) . - 3 Bde. - (Kataloge der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau ; 2)
    Online-Ausgabe über http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/kataloge-online.htm#Freiburg
  • Schaeffer, Adolf: Katalog der Bibliothek altspanischer Drucke sowie des einschlägigen Büchermaterials / von Adolf Schaeffer. - Leipzig : Brockhaus, 1898. - 44 S.; (dt.) - Auf den Titelbl. der Exemplare von FRUB ist aufgestempelt: im Besitz der Universitätsbibliothek Freiburg i. B.

Bibliotheks(bau)geschichte

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    Online-Ressource; (ger) http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5000/
  • Günther, Johannes: Die Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. 1823-1849 : die Verwaltung der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. von der Ernennung Eisengreins zum "Ersten Bibliothekar" als Nachfolger Baggatins (1823) bis zum Tode des Oberbibliothekars Amann (1849) / Johannes Günther. - Wiesbaden : Harrasowitz, 1975. - S. 37 - 134; (dt.) - Aus: Bibliothek und Wissenschaft. 9, 1975 [Online]
  • Karasch, Angela: "Eine kleine Geschichte der Universitätsbibliothek Freiburg" : ... eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. / Angela Karasch. - Freiburg i. Br. : Universitätsbibliothek, 1999. - S. 29 - 32 : Ill.; (dt.)- Aus: Expressum ; 1999, Nr. 6
  • Karasch, Angela: Der Carl-Schäfer-Bau der Universitätsbibliothek Freiburg : (1895 - 1903) / Angela Karasch. - Freiburg i. Br. : Universitätsbibl., 1985. - II, 195 S. : Ill.; (dt.) - (Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br ; 9) [Online]
  • Karasch, Angela: Denkmalschutz und Neubauplanung oder: der Abriss des Rotteck-Gymnasiums, eine "Chronik der Vernichtung"? / Angela Karasch. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibl., 1991. - S. 184 - 241 : Ill.; (dt.) - Aus: Tradition - Organisation - Innovation. [Online]
  • Kehr, Wolfgang: Die neue Universitätsbibliothek / Wolfgang Kehr .... - Freiburg : Rombach, 1979. - 64 S.; (dt.) - (Freiburger Universitätsblätter Heft 64, Juli 1979, 18. Jahrgang)
  • Kehr, Wolfgang: Universitätsbibliothek Freiburg : Neubau. Personal-, Raumbedarfs- und Funktionsplan / Wolfgang Kehr. - Freiburg, 1969. - 261 Bl.; (dt.)
  • Mittler, Elmar: Die Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. 1795 - 1823 : Personal, Verwaltung, Übernahme der säkularisierten Bibliotheken / von Elmar Mittler. - Freiburg : Alber, 1971. - 167 S. : Ill., graph. Darst.; (dt.) - (Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte / im Auftr. d. Albert-Ludwigs-Univ. Freiburg hrsg. ; 35) - ISBN 3-495-49535-5 [Online]
  • Müller, Ortwin: Der Neubau der Universitätsbibliothek : ein Baubericht. In: Tradition - Organisation - Innovation. - Bd. 2. - 1991. - S. 173-183.
  • Rest, Josef: Die älteste Geschichte der Freiburger Universitätsbibliothek. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 39 (1922), 7 ff. [Online]
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  • Schmidt, Peter: Die Universität Freiburg i. Br. und ihre Bibliothek in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts / Peter Schmidt. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibliothek, 1987. - 337 S. : Ill., graph. Darst.; (dt.) - (Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br ; 12) - Teilw. zugl.: Köln, Fachhochsch. für Bibliotheks- u. Dokumentationswesen, Hausarbeit, 1984 [Online]
  • Schubel, Bärbel: Der Neubau der Universitätsbibliothek Freiburg : ein Erfahrungsbericht nach 15 Jahren / Bärbel Schubel. - Wiesbaden : Harrassowitz, 1994. - 16 Bl. : Ill.; (dt.) - Aus: Bibliotheksbauten in der Praxis [Online]
  • Stamm, Gerhard: Die Universitätsbibliothek Freiburg vom Dienstantritt Heinrich Josef Wetzers (1850) bis zur Auflösung der Bibliothekskommission (1888) : Reformen u. Reformpläne, Grundzüge d. Verwaltung / von Gerhard Stamm. - Köln, 1969. - 89 Bl.; (dt.) - Köln, Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen, Hausarbeit zur Prüfung für d. höheren Dienst, 1969 - Maschinenschr. [Online]
  • Toussaint, Ingo: Die Universitaetsbibliothek Freiburg im Dritten Reich / Ingo Toussaint. - 2., verb. u. erw. Aufl.. - München : Saur, 1984. - XIV, 272 S. : Ill.; (dt.) - ISBN 3-598-10547-9 [Online]
  • Tradition, Organisation, Innovation : 25 Jahre Bibliotheksarbeit in Freiburg ; Wolfgang Kehr zum 60. Geburtstag / vorgelegt von Mitarb. der Universitätsbibliothek und anderer wiss. Bibliotheken in Freiburg i.Br. Hrsg. von Albert Raffelt. - Freiburg i. Br. : Universitätsbibliothek; (dt.) - (Informationen / Bibliothekssystem der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau : Sonderheft ; ...) [Online: Bd. 1; Bd. 2]
  • Die Universitätsbibliothek Freiburg im Spiegel der "Freiburger Zeitung" (1895-1939) - In: Tradition - Organisation - Innovation, S. 333- 341.
  • Die Universitätsbibliothek Freiburg im Spiegel der Presse : 1967 - 1994 / ausgewählt und bearb. von Wilfried Sühl-Strohmenger unter Mitarb. von Hansjürgen Maurer und Dieter Speck. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibliothek, 1995. - 146 S. : Ill., graph. Darst.; (dt.) - (Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau ; 18) - ISBN 3-928969-03-X
  • Die Universitätsbibliothek Freiburg : Perspektiven in den neunziger Jahren ; Wolfgang Kehr zum 63. Geburtstag und zum Beginn des Ruhestandes / hrsg. von Bärbel Schubel. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibliothek, 1994. - 226 S. : graph. Darst., Kt.; (dt.) - (Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau ; 17) - ISBN 3-928969-02-1 [Online]
  • Unfreiwillige Förderung : Abt Philipp Jakob Steyrer und die Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. ; Begleitband zur Ausstellung der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg und der Universitätsbibliothek Freiburg / hrsg. von Albert Raffelt. - Freiburg i. Br. : Univ.-Bibliothek, 1995. - 216 S. : Ill.; (dt.) - (Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau ; 19) - ISBN 3-928969-04-8 [Online]
Universität Freiburg